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Die Hausgeburt

von Marion Conrady-Kaiser

Am 30. Januar 2015 kam meine jüngste Tochter, zu Hause zur Welt. Begleitet und unterstützt hat mich, nun schon zum dritten Mal, meine Göttinger Hebamme Irene Meyer.

Warum haben wir uns für Hausgeburten entschieden?

Nun – es hat sicher eine Vielzahl an Gründen. Anfangen muß ich da sicher bei meinem Bedürfnis nach Respekt, Autonomie und Ernstgenommen-Sein. Dies sind ganz pesönliche Gründe, und beruhen auf ebenso persönliche Erfahrungen.
Aber gleich danach folgt ein weiterer Grund, der mir klar wurde, als ich kürzlich einen Artikel über die Zustände der Geburtshilfe auf Sylt zu lesen bekam: Der Autor berichtete, daß es derzeit auf Sylt keine Geburshilfe mehr gibt, was bedeutet, daß weder Hebammen Hausgeburten anbieten, noch daß es eine Klinik gibt, die eine Station zur Geburtshilfe hat. Die Frauen dort müssen etwa zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf das Festland, wo ihnen Appartments zur Verfügung gestellt werden, in denen sie bis zur Geburt leben, zur Geburt gehen sie dann in die Klinik auf dem Festland, um danach zu ihren Familien zurückzukehren.

Für mich, eine Vorstellung, die mir fast Tränen in die Augen trieb: Zwei bis vier Wochen vor der Geburt meines Babys aus meiner Familie gerissen zu werden, in eine fremde Umgebung, ohne soziale Kontakte, Freunde, Geborgenheit – um dort mein Kind zu bekommen, ohne von Menschen umgeben zu sein, die mich lieben? Und dann nach möglicherweise mehr als einem Monat, meinen älteren Kindern ein neues Geschwisterchen mitzubringen?? Was macht das für ein Bild für sie, vom Lebensbeginn?

In den letzten Wochen vor der Geburt haben meine beiden jüngsten Kinder (2 und 4 Jahre) jeden Abend dem „Baby“ ein Küßchen auf den Bauch gegeben und ihn gestreichelt. Es wurde „gelockt“ mit Sätzen, wie: „Los Baby, komm endlich raus da! Trau dich! Wir warten schon!“
Wir haben jeden Abend gekuschelt, und Geschichten erzählt, auch mit den älteren Geschwistern.
Wir haben tagsüber gemeinsam alles vorbereitet.
WIR ALLE HABEN GEMEINSAM GEWARTET – begleitet von Irene, die uns besuchen kam, mit den Kindern gemeinsam eine Schwangerschaftsvorsorge machte, das Hörrohr für jeden zugänglich machte, erklärte und einfach DA war! Nicht nur für mich, für die ganze Familie.
Und als es dann endlich „losging“?
Ich konnte bei meinen Kindern sein, Alltag leben, solange es mir mit Wehen möglich war. Sie bekamen alle dabei einen Eindruck davon, daß „etwas“ vor sich ging. ICH konnte es erklären, und Ihnen erzählen, was passiert und wie es mir dabei geht.
Iben wurde in der Nacht geboren, als alle schliefen. Mit Irene, die mich unterstützte und motivierte.
In unserem Wohnzimmer, genau so wie ich es als Bild immer vor Augen hatte, wenn ich in der Schwangerschaft darüber nachdachte, was ich mir wünsche.
Morgens kamen die Kinder, um zur Schule und zur Kita zu gehen, und „fanden“ uns. Nie wieder vergisst man als Mutter, dieses Leuchten der Liebe in Ihren Augen. Sie gingen an diesem Tag nicht zur Schule oder in den Kindergarten. Und in der folgenden Woche waren Ferien, wir konnten also eine intensive, enge, gemütlicheWoche lang uns neu kennenlernen, sortieren. Gemeinsam. Alle zusammen. Begleitet auch hier von Irene, die natürlich zu uns kam, um Mutter und Kind zu betreuen, körperlich und psychisch. Aber auch wieder die Kinder mit einbezog, in ihr Tun. So massiert mir auch heute noch meine 2jährige den Bauch.

Um keinen Preis würde ich diese Wochen vor und nach der Geburt anders oder „außer Haus“ erleben wollen. Wir gehören zusammen, und dieses Wissen macht uns alle in den Stürmen des Alltags stärker. Das ist es, was den „Zauber der Hausgeburt“ für mich ausmacht. Warum ich mich immer wieder so entscheiden würde.

Ich danke Irene, daß sie uns begleitet hat. Daß sie mit unermüdlichem Einsatz, Liebe zur Arbeit, Vertrauen in die Kraft der Frauen und Familien, großem Fachwissen und immer auch einer Prise Humor solche Erfahrungen möglich macht!

Es ist nicht egal, wo und wie wir gebären: Egal wie alt wir werden, an die Geburten unserer Kinder werden wir uns immer erinnern können!
Es ist nicht egal, wo und wie wir geboren werden! Diese Stärke, diese Kraft einer guten Geburt, die wir als Frauen und Familien daraus gewinnen, kann uns unser Leben lang von Nutzen sein!

Liebe Grüße
Marion Conrady-Kaiser

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